10 Tipps für einen Urlaub in Kolumbien

Urlaub aus einem anderen Blickwinkel

Da die meisten Reisen und Pauschalreisen können nicht immer den wirklichen Eindruck eines fremden Landes vermitteln. Wichtige Tipps um dies zu ändern und was Sie alles beachten sollten, kann Ihnen Marco Sieber in diesem Artikel sagen.

Marco Sieber

Barbossa

 

 

Über Marco:

Langzeitreisender, multilingualer Geschichtenerzähler, Gastreiseblogger, Amateurfilmer, Amateurfotograf und Couchsurfer. Ich liebe es, über unbekannte Kulturen zu lernen und meine interessantesten Begegnungen mit Einheimischen weiterzugeben. Kulinarisches und Reisebekanntschften und deren Geschichten sind dabei ebenso wichtig. Ich möchte eine Perspektive eröffnen die zum tieferen Verständnis der Menschen Südamerikas beiträgt. Die authentischste Art das zu erreichen, ist selbst das zu tun was die Einheimischen tun und offen für andere Ansichten und Wege zu sein. Als Programmentwickler einer kleinen lokalen Tourismusagentur, kann ich auch Touren ganz nach den Vorstellungen der Reisenden zusammenstellen und diese mit authentischen Erlebnissen verbinden.

 

1. So schnell wie möglich in die fremde Zeitzone eingewöhnen

Es gibt internationale Flüge nach Bogotá, wann man ankommt hängt von der Fluggesellschaft ab und da gibt es bekanntlich von Holzklasse bis Überluxus alles. In jedem Fall ist es ratsam und meiner Erfahrung nach sehr angenehm, wenn man genau das macht was in der jeweiligen örtlichen Tageszeit gemacht wird. Kommt man Nachts an, verliert man am besten nicht viel Zeit und geht schlafen, kommt man Nachmittags oder Vormittags an, macht man das was man Zuhause auch um diese Zeit machen würde. Die Theorie hierbei ist, dass der Körper auf Licht reagiert und seine Prozesse entsprechend anpasst. Das geht bei dem Einen schneller und bei dem Anderen langsamer. Jedenfalls nimmt der Körper Tageslicht wahr und sollte sich auch dementsprechend verhalten. Also am Tag am besten etwas Leichtes essen gehen und viel Sonne tanken, wenn möglich. Vor allem sollte man es langsam angehen. Die Kreislauf- und Stoffwechselprozesse werden so besser auf die andere Zeitzone eingewöhnt und der Jetlag wird sicher schneller vergessen sein. Tipp: In den ersten paar Tagen nicht übermäßig den Körper mit schwierigen Aufgaben wie Alkohol oder fettes Essen stören, er ist eben auch nur ein Mensch.

 

2. Niemals die Sonne unterschätzen

Barbossa

Im kleinen Dörfchen Barbossa

Niemals…ich nehme mich da nicht aus, erinnere mich vor jedem größeren Ausflug und vergesse es trotzdem. Sonnencreme nimmt man am besten von Zuhause mit, hier ist so etwas unverhältnismäßig teuer. Man kennt genügend abgelutschte Sprüche dass die Haut nichts vergisst und so weiter, vor allem wird die Haut besonders in höheren Lagen nicht schneller Braun, nur weil man mit Absicht keine Sonnencreme aufgetragen hat. Hier läuft man in den Bergen herum und hat vielleicht keine direkte Sonneneinstrahlung, Wolken sind am Himmel oder es nieselt, trotzdem wird man am Abend merken, dass man sich doch besser eingerieben hätte. Je höher man reist, desto mehr unterschätzt man die Kraft der Sonne, die hier in Südamerika oft gottgleich verehrt wird. Die Einheimischen wissen warum, man scherzt nicht mit der Sonne. Wer absolut keine Lust auf Sonnencreme hat setzt wenigstens einen Hut auf und zieht lange Kleidung an. Ich wünschte ich würde immer befolgen was ich versuche anderen zu vermitteln. Letztendlich muss es jeder selber ausprobieren…oder wissen.

 

 3. Interesse an dem Leben der Einheimischen zeigen

Subachoque

Werkstatt auf einem Bauernhof in der Nähe von Subachoque

Seit wir uns ein quasi zweites Leben in diversen Sozialen Medien aufgebaut haben, wissen wir, wie wichtig es ist, beachtet und anerkannt zu werden. Das ist im analogen Kontext nicht anders. Immer, wenn ich mich für das Leben anderer Interessiere, mich mit in den normalen Alltag der Einheimischen einbinde, wird mir dafür Respekt und Anerkennung entgegengebracht. Ich erkenne an, akzeptiere und mache mit, die Menschen fühlen sich bestätigt in den Gebräuchen die sie tagtäglich durchleben. Sie sollten Teil jeder Reise sein und man sollte sie es auch spüren lassen. Um glücklich reisen zu können, muss man meiner Meinung nach Ihre Empfehlungen ernst nehmen. Sie helfen dem fremden Reisenden und das gibt ihnen ein tolles Gefühl. Dieses Konzept, das ehrliches Interesse beider Parteien vermittelt gibt dem Reisenden die Möglichkeit tiefer in die Kultur einzutauchen und dem Einheimischen das Gefühl, dass fremde nicht nur wegen der Sehenswürdigkeiten kommen, schnell ein paar Fotos machen und dann wieder nachhause düsen. Vielleicht ist das wieder aus der Perspektive eines Langzeitreisenden kommentiert, aber auch die eine Gelegenheit im zwei-Wochen Urlaub mit Einheimischen zu interagieren, kann das tollste und spannendste Erlebnis der ganzen Reise werden. Man sollte es zumindest versuchen. Sprache ist hierbei natürlich ungemein hilfreich, aber auch diejenigen die kein Spanisch sprechen sollte bewusst sein, dass ein Lächeln manchmal ausreicht, um ehrliche Emotionen zu transportieren. Man sollte eines immer im Hinterkopf behalten: Die Einheimischen können vielleicht nicht so viel reisen wie die Europäer oder Amerikaner, aber sie sind dennoch sehr interessiert an dem Leben Übersee. Genauso wie wir.

 

4. Verhandeln

Zahlen in einer fremden Sprache zu lernen ist meistens nicht schwer und da die Preise hier ganz besonders schnell ansteigen wenn sie Touristen begegnen rate ich, sich wenigstens ein Grundvokabular bis 10 anzueignen damit man einfache Preise verhandeln kann. Anders als in Europa, wo das Feilschen Börsianern oder anderen Finanzverdrehern zugestanden wird, ist das freie Verhandeln von Preisen hier Werkzeug des kleinen Mannes (und kleine Männer gibt es hier sehr viele, Spaß!). Ich arbeite hier und verdiene ein anständiges, aber eben lokales Gehalt, das mir nicht erlaubt jeden Wucher durchgehen zu lassen. Als Besucher für drei Wochen mag man das anders sehen, aber in meinen Augen ist das Feilschen auch ein Ausdruck von Selbstbewusstsein und vor allem zeigt man dem Verhandlungspartner, dass man ernst zu nehmen ist. Eine wichtige Grundregel ist, dass man vor der Ware verhandelt. Wenn also der Souvenirhändler auf 20.000 Peso geht, kann man ruhig erstmal ein Gegenangebot für 10.000 machen. Man trifft sich dann in der oberen Mitte.   Vier Hinweise noch: 1. Das ist immer noch zu viel, wir sehen aus wie Touristen und wir haben nun mal mehr Geld, das muss man dann auch akzeptieren. 2. Wenn man die Chance hat mit Einheimischen zusammen zu sein, dann sollten die verhandeln und man wird sehen, dass sich am Preis immer noch etwas machen lässt. 3. Vorher kann man andere Einheimische über Preise fragen um ein Vorab-Gefühl zu bekommen, das hilft ungemein. 4. Gruppenrabbat (auch ab zwei Personen) ist und bleibt ein vortreffliches Verhandlungsargument.   Wer solchen Stress vermeiden will und sich dem ewigen Spiel entziehen will, muss eben mehr Geld dabei haben.

5. Jeden Tag einen frisch gepressten Fruchtsaft trinken

Es gibt hier Früchte von denen mir meistens die Namen wieder entfallen, weil ich sie nicht kenne und zum ersten Mal probiere oder weil ich zu faul bin, mir die schier endlose Zahl nur im Geringsten einzuprägen. Ich nenne manche Früchte wie sie aussehen. Da gibt es die eine dessen Inneres und sehr leckeres Fruchtfleisch wie ein Gehirn aussieht (für mich die Gehirnfrucht, heißt aber „Granadilla“). Säfte werden an jeder Straßenecke angeboten, im ganzen Land. Mit Milch oder mit Wasser gemischt wird der Saft frisch aus den Früchten gepresst und mit Eis oder pur serviert. Es ist billig, super gesund und das wofür wir in Deutschland verdammt viel Geld bezahlen müssen. Hier ist etwas Pioniergeist gefragt und ich rate wirklich, dass man sich die Zeit nimmt und etwas probiert was man NICHT kennt. Keine Angst, es kann nur gesünder machen und einfach von der Straße etwas kaufen kostet weniger Zeit und man muss nicht dauernd irgendwelche Flaschen mit sich herumtragen. Ich empfehle „Lulo“, da ich eher auf säuerliche Früchte stehe. Bitte kosten!

 

6. Ruhig einmal Früchte oder Gemüse von der Straße kaufen

Bogota

Straßenverkäufer in Bogotá

Auf den Straßen kann man recht gut alle Lebensmittel finden, die man braucht. Indios kommen früh am Morgen in die Städte um ihr eigens Produziertes Gut anzubieten. Sie sitzen an den Straßenrändern und Fußgängerwegen und haben meistens das Obst und Gemüse schon in Tüten portioniert, sodass man auch aus dem Auto schnell ein paar Orangen, Avocados oder Limetten kaufen kann. Manchmal hat man keine Zeit, um in den Supermarkt zu gehen, zudem ist die Ware der Bauern sozusagen aus dem Direktverkauf und in Lateinamerika billiger als im Discounter. Man unterstützt die Gemeinschaften auf direktem Wege, was ansonsten schwieriger ist. Obendrein habe ich festgestellt, dass die Qualität der Früchte und Gemüse viel besser ist. Das Überangebot an Vitaminen, gerade in den Ländern in der Nähe des Äquators, sollte man unbedingt nutzen, bevor man wieder in den Flieger nach Deutschland steigt. Waschen sollte man das Obst und Gemüse trotz allem. Aber das kann man auch am Straßenrand erledigen.

Manizales

Obststand in Manizales

 

7. So viel Spanisch sprechen wie möglich

Ich weiß, dass es schwer ist, extra für den Urlaub eine Fremdsprache zu erlernen. Aus eigenen Erfahrungen und der Erzählungen meiner Eltern sei aber gesagt, dass es manchmal ausreicht wenn man im Urlaub genauer hinhört und ein paar Wörter anwendet, wenn die Situation es zulässt. Niemand wird einem den Kopf abreißen, wenn man mal etwas falsch ausspricht oder gar Wortverwechslungen zum Grinsen der Einheimischen führt (Kellner in Kroatien: „Sie wollen was fressen?“. Er hat halt nicht gewusst, dass „essen“ ein weitaus höflicheres Wort ist). Im Gegenteil, man erarbeitet sich Respekt und zeigt Interesse an der Kultur die auch die Sprache eines Landes umfasst. Ein paar Wörter in der fremden Sprache machen einen das Leben erheblich leichter. Nichts destotrotz öffnet ein gutes Spanisch ganz andere Möglichkeiten. Man kann gezielter Fragen, versteht mehr was unter den Einheimischen gesprochen wird, schnappt Tricks und Tips von der Straße auf. Fast jeden kann man dann nach dem Weg fragen, man geht unabhängiger durch den Tag. Als Faustregel gilt: wer unabhängig reisen will wird nicht so schnell zu viel fürs Taxi bezahlen, wenn er ordentlich mit dem Fahrer verhandeln kann. Wer wenig bis gar kein Spanisch spricht und obendrein noch wie ein echter „Gringo“ aussieht und unsicher wirkt, der muss eben mehr bezahlen. Man könnte also festhalten, dass mit der Länge der Reise das Sprachniveau wachsen sollte und damit müssten die Preise auf Verhandlungsbasis proportional sinken. Wem das nicht einleuchtet, der hat wahrscheinlich genügend Geld für den Urlaub gespart und muss sich nicht mit jedem Straßenverkäufer oder Taxifahrer herumärgern.

 

8. Gelassener werden

Teufelskanzel Cocuy Nationalpark

Kolumbianischer Tourist halt ein Nickerchen an der Teufelskanzel im Cocuy Nationalpark

Wenn die Menschen anderswo andere Rythmen gewohnt sind, bringt es nichts ihnen das Pünktlichsein beibringen zu wollen. Polychrome Menschen machen viele Dinge auf einmal und manchmal auf den letzten Drücker. Das führt zu Wartezeiten. Die deutsche Zeitwahrnehmung ist linearer, klarer strukturiert. Beides hat seine Vorteile. Besucher möchten einen stressfreien Urlaub genießen, jedoch können Wartezeiten überall auftreten. Man täte gut daran, sich abzulenken und sich nicht aufzuregen. Letztendlich freut man sich trotzdem wenn es endlich losgeht. Man kann die Wartezeit nutzen um Sachen zu entdecken die man sonst nicht gesehen hätte, eine kleine Street-Foto-Session ist immer drin. Zeit wird eben mit zweierlei Maß gemessen, das ist auf der ganzen Welt so. Man darf auf jeden Fall nicht denken, dass man mit Absicht stehengelassen wird, im Gegenteil, der lokale Tour Veranstalter weiß dass Deutsche besonders pünktlich sind und gibt sich extra Mühe nicht zu spät zu sein. Wenn es dann doch mal fünfzehn oder dreißig Minuten sind, sollte man das nicht so eng sehen. Im Urlaub kann man auch mal zu spät sein, so hat man mal Zeit, um nichts zu tun, was linde gesagt, absolut nicht mehr zum Alltagsrepertoire der Industrieländer zählt.

 

9. Kopf hoch, Augen auf

Warum sage ich das? Weil man oft zu sehr mit dem beschäftigt ist was unter einem auf dem Boden passiert. ZURECHT! Die Straßen Südamerikas sind gespickt mit unbedeckten Löchern, Rissen und offenen Gullideckeln. Unbedingt sollte man immer schauen wohin man tritt. Man sollte aber auch schauen wo es Interessantes zu entdecken gibt. Mit offenen Augen durch die Straßen zu gehen hilft entdecken. Unsichere Menschen tendieren dazu, zu sehr nach unten zu schauen. Wer den Kopf oben hält, strahlt Selbstsicherheit aus. Das ist wiederum ein schlechtes Zeichen für Taschendiebe und andere Halunken.

  1. Nur Wasser aus Flaschen oder Plastikpäckchen konsumieren
Wasserbehälter

handelsüblicher 6-Liter-Wasserspender

Es ist Gewöhnungssache, nichts weiter. Man mag glauben, dass das Wasser hier schlecht wäre und alle Menschen abgefülltes Wasser konsumieren müssten. Dem ist bei Weitem nicht so. Leitungswasser wird auch hier kontrolliert. Wie bei uns ist das Kaufen von Wasser in Plastikflaschen eigentlich nur dann notwendig wenn die Versorgung aus der Leitung erwiesenermaßen gesundheitliche Problemen bereiten kann. Was eine Rolle spielt sind jedoch die Bakterien im Leitungswasser die offensichtlich andere Eigenschaften haben als die, die bei uns im Leitungswasser wohnen. Der Körper kann schlichtweg nicht mit den fremden Bakterien umgehen und greift zur Gegenattacke an. Manche Menschen gewöhnen sich daran und andere müssen ganz einfach immer Wasser im Supermarkt oder auf der Straße kaufen. Sicher ist sicher, gerade für Urlauber. Die sparsamste Variante ist die, Wasser abgefüllt in Plastiktüten zu kaufen. Kleine nimmt man direkt in den Mund und drückt kräftig nachdem man einen kleinen Spalt aufgeschnitten hat, große bis zu 6L Tüten nimmt man mit nachhause und füllt sie in ein Gefäß um. Ich selbst habe eine Zeitlang Wasser aus der Leitung abgekocht. Ich habe trotzdem eine Woche lang heftigsten Durchfall bekommen und ca. 10 Kilo dabei abgenommen. Seitdem trage ich besagte 6L Tüten nachhause und fülle sie in vorgesehene Behälter.

 

10. Mehr Tipps, Eindrücke und Infos

Wer noch mehr Informationen über verschiedene Länder und Einheimische in Südamerika erfahren will, dem legen wir die Website von Marco Sieber an’s Herz: http://marcoslocaladventures.com/de/.

0 comments

Leave a comment

Want to express your opinion?
Leave a reply!

Hinterlasse eine Antwort